Die Anfänge der deutsch – türkischen Beziehung und das Gastarbeiterphänomen
Eine charakteristische Fassade in Berlin-Kreuzberg. Ein Stadtbezirk Berlins, der 1920 aus der Fusion der Gebiete Tempelhofer Vorstadt, südlicher Friedrichstadt und eines Teils der Luisenstadt hervorgegangen ist. Heute sind knapp ein Drittel der 160.000 großen Einwohnerstadt Migranten, v. a. türkische Gastarbeiter. Dies wiederum liefert Fakten für die allseits bekannten Klischeevorstellungen.
Vor dem Workshop dachten wir fälschlicherweise, dass die deutsch-türkische Beziehung also erst gegen Ende des 20.Jahrhunderts richtig angefangen hätte. Doch wir wurden eines Besseren belehrt. Schon im 18. Jahrhundert begann aufgrund des Bündnisses zwischen Preußen und dem Osmanischen Reich gegen Österreich eine deutsch-türkische Beziehung.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die türkisch-deutsche Beziehung in vielerlei Hinsicht intensiviert; wie beispielsweise auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller, bildungspolitischer und persönlicher Ebene.
Nach der kurzen geschichtlichen Einführung während des Workshops nahmen wir als übergreifende Botschaft mit, dass die Zusammenarbeit und die Freundschaften zwischen diesen beiden Ländern in der Zukunft noch weiter auszubauen, eine wichtige Aufgabe darstellt. Hierzu führten viele unter uns mögliche Verbesserungsvorschläge zur Förderung der Völkerverständigung auf, als kleines Beispiel hierfür nannten einige Schüleraustauschprogramme, was uns sicherlich auch zu Gute kommen würde.
Nachdem wir das Thema geschichtlich angegangen waren, wollten wir es aus der soziokulturellen Perspektive betrachten. Beim Erstellen der Stammbäume mussten wir uns gleichzeitig ausdenken, was für unsere Heimatregion sowohl in der Türkei als auch hier in Deutschland typisch war.
Haselnüsse aus Trabzon, Dadaşbarı (Volkstanz) aus Erzurum, Gänse aus Ardahan, Izmirs Efe (Held) uvm. Was war typisch türkisch? Nun auf diese Frage erfüllten unsere Antworten ausnahmslos alle Klischeevorstellungen. Unpünktlichkeit, Gelassenheit, Gastfreundschaft, überdimensionale Hilfsbereitschaft und Solidarität.
Was war typisch deutsch? Als deutsches Essen fielen uns SchniPoSa, Spätzle, Zwiebelrostbraten ein, in puncto deutsche Eigenschaften nannten viele einheitlich Pünktlichkeit, Disziplin, Expertenanspruch, Made in Germany, Distanziertheit.
Innerhalb der Gruppengespräche stellte sich deutlich heraus, dass viele Jugendliche sich weder gänzlich der einen noch der anderen Seite zugehörig fühlten. Sie waren dazwischen. Eine Entweder-Oder-Entscheidung wollten sie nicht fällen. Wieso auch! Kann man nicht einfach das "dazwischen" sein?!
» weiter zu "Berliner Nächte"
« zurück zum ersten Teil von "Die Anfänge der deutsch-türkischen Beziehung"
|